4 minutes reading time (797 Worte)

Korsika – Die Insel der Winde

30581516_1908668846090165_4735050905236275200__20180419-101803_1

Korsika ist eine wildromantische Perle im Mittelmeer mit einem gewaltigen Gebirgsmassiv im Inselinneren und malerisch gelegenen Ferienorten an der Küste. Gleichzeitig ist das französische Eiland die Insel der Winde, denn unablässig zerren sieben verschiedene Mittelmeer-Windströmungen an Korsika.

Erwärmung oder Abkühlung:
Sie tragen heiße Wüstenluft im Gepäck oder sorgen für eine empfindliche Abkühlung: Die sieben Winde Korsikas. Sie tragen unterschiedliche Namen und wirken aus verschiedenen Himmelsrichtungen auf die Mittelmeerinsel ein. Jeder Wind hat spezielle Eigenarten. Für eine erstklassige Fernsicht von den Berggipfeln sorgt der Maestrale (Mistral). Er weht aus Richtung Nordwest und ist kalt und trocken. Sein Entstehen verdankt der Fallwind den topografischen Besonderheiten auf dem französischen Festland, wo das Rhone-Tal wie eine Düse für steigende Windgeschwindigkeiten sorgt.

Der Gegenentwurf zum Mistral ist der heiße Scirocco, der aus südöstlicher Richtung weht und Sahara-Staub über das Mittelmeer bis nach Korsika trägt. Der kalte Nordwind Tramontane sowie die kühlen Ost- und Nordostwinde Levante und Grecale sorgen für beste Bedingungen zum Surfen an der korsischen Ostküste. Wenn der Libecciu aus Richtung Südwesten auffrischt, bedeutet das für Korsika stürmische Zeiten und regnerisches Wetter. Die Wolken weht der stramme Westwind Ponente fort, der warme Luft im Gepäck trägt und für eine klare Sicht von den Bergen sorgt.

Thermische Winde zu bestimmten TageszeitenDie besonderen topografischen Bedingungen auf Korsika mit einem Hochgebirge in der Inselmitte und flachen Küstenregionen lassen thermische Winde zu bestimmten Tageszeiten entstehen. Befeuert wird dieser Prozess durch unterschiedlich schnelle Erwärmung von Landmasse und Wasser. Die thermischen Winde tragen den Namen der Richtung, aus der sie wehen: Seebrise (Mezziornu) und Landbrise (Terranu).

Die Seebrise ist ein auflandiger Wind, der vom Meer weht und ca. zwei bis vier Stunden nach Sonnenaufgang einsetzt. Das Maximum an Windstärke erreicht der Mezziornu um die Mittagzeit. Etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang flaut der Wind ab und legt sich nach Einbruch der Dunkelheit vollständig.

Die Landbrise setzt in der Nacht ein, wenn die Landmasse Korsikas ausgekühlt ist und die Temperatur unter die Wassertemperatur des Mittelmeeres abfällt. Der ablandige Wind weht bis in die frühen Morgenstunden, bis sich bei einem höheren Sonnenstand die Temperaturverhältnisse wieder umkehren. Vor der Entwicklung der Dampfschifffahrt nutzten Segelschiffe den Terranu, um zügig in See zu stechen. Der ablandige Wind birgt gewisse Risiken für Badeurlauber und Surfer, die zeitig unterwegs sind. Luftmatratzen können abgetrieben werden und Windsurfer haben Schwierigkeiten, das Land zu erreichen.

Düseneffekt in der Straße von Bonifacio
Die Straße von Bonifacio ist die zwölf Kilometer breite Meerenge südlich von Korsika. Sie trennt die französische Mittelmeerinsel von der Nachbarinsel Sardinien. Seit Menschengedenken fürchten Seefahrer die Meerenge aufgrund der unvorhersehbaren Windverhältnisse, der unberechenbaren Meeresströmungen und der zahlreichen Untiefen. Nach einem Tankerunglück ist die Straße von Bonifacio seit 1993 für Schiffe mit gefährlicher Ladung gesperrt.

Unberechenbar wird die Meerenge wegen des Düseneffektes, der zwischen den beiden Mittelmeerinseln entsteht. Schlagartige Änderungen der Windrichtung und der Windstärke sind keine Seltenheit, was vor allem Segler bei der Kapumrundung beachten müssen. Wellen und Wind werden wie durch eine Trichteröffnung mit großer Kraft durch die Meerenge gedrückt. Eine Faustregel für die Straße von Bonifacio lautet: Plus 3. Gemeint ist die Windstärke im Vergleich zur korsischen Hauptstadt Ajaccio. Weht der Wind dort mit Stärke 4 pfeift er mit 7 Windstärken durch die Meerenge. Unabhängig von der Jahreszeit wehen der Maestrale aus nordwestlicher Richtung und der Libeccio aus südwestlicher Richtung praktisch ohne Unterbrechung. Verstärkt wird der Effekt durch Fallwinde, die zu bestimmten Tageszeiten an den Klippen im äußersten Süden Korsikas auftreten.

Biskaya-Hoch und Genuatief: Starkwindphase für Korsika
Eine Wetterlage, die Korsika eine ausgesprochene Starkwindphase beschert, entsteht, wenn ein stationäres Tiefdruckgebiet (Genuatief) über der italienischen Riviera liegt und hoher Luftdruck über der Biskaya herrscht. Der wichtigste Akteur bei diesem Schauspiel ist der Mistral (Maestrale). Der Fallwind aus nordwestlicher Richtung bringt Kaltluft aus nördlichen Breiten durch das Rhone-Tal bis in den Mittelmeerraum. Der Grabenbruch des Flusstales wirkt wie eine Düse und es entstehen Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h in der Spitze. Auf den mehr als 2.500 m hohen Berggipfeln Korsikas werden unter diesen Bedingungen sogar Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 km/h gemessen. Der Mistral setzt nicht selten plötzlich ein. Ein Anzeichen für die heraufziehende Starkwindphase ist das Auftreten der charakteristischen Lenticularis-Wolken, deren elliptische Form stark an eine Linse oder Mandel erinnert.

Neigt sich die Starkwindphase auf Korsika durch das Abziehen des Genuatiefs in Richtung Südosten dem Ende zu, stellt sich in der Regel eine Nordlage ein. Auf der Rückseite des Tiefs frischt der nördliche Tramontane merklich auf. Er pfeift parallel zur korsischen Ostküste mit bis zu sieben Windstärken. Das plötzliche Auftreten der Nordströmung macht diesen Wind so unberechenbar. Oft vergehen nur 10 bis 15 Minuten und aus einer Flaute wird ein Sturm. Auch die Dauer dieses Windphänomens lässt sich nicht vorhersagen. In manchen Phasen ist der Spuk nach wenigen Stunden vorüber, an anderen Tagen heult der Nordwind tagelang an der korsischen Ostküste. Selbst der örtliche Wetterbericht kündigt das Eintreten dieser Witterungsphase nicht immer zuverlässig an.

Korsika im Sommer