Korsika Geschichte

Korsika Geschichte

Im Verlauf ihrer wechselvollen Geschichte gehörte die Mittelmeerinsel Korsika verschiedenen Herrschaftsbereichen an. Römer, Mauren, Genuesen und Franzosen lenkten für bestimmte Zeiträume die Geschicke der Insel und prägten mit ihren Gewohnheiten den Lebensstil der Korsen.

 

Frühgeschichte und Antike

Frühe menschliche Besiedlungsspuren auf Korsika stammen aus dem Zeitraum von 7000 – 6000 v. Chr. Sesshaft wurden die Menschen im frühen Neolithikum, das etwa 4500 v. Chr. endete.

Im Zeitraum zwischen 3000 v. Chr. Und 1800 v. Chr. entstand auf Korsika die Megalithkultur, von der noch heute behauene Menhire in vielen Regionen der Mittelmeerinsel zeugen.

Im Jahr 565 v. Chr. kamen griechische Seefahrer auf die Insel und errichteten in der Nähe des heutigen Alèria eine Handelsniederlassung.

Gut 300 Jahre später eroberten die Römer die griechische Stadt Alalia. Allerdings wurden erst zur Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts die ersten römischen Kolonien durch Sulla und Marius gegründet.

Korsika war in der Antike eine verarmte Insel und spielte unter römischer Herrschaft lediglich eine Rolle als Verbannungsort. Nachdem der christliche Glaube im Römischen Reich im 4. Jahrhundert n. Chr. zur Staatsreligion wurde, erfolgte die Christianisierung der Inselbevölkerung.

 

Frühmittelalter

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches fielen im 5. Jahrhundert die Vandalen und die Ostgoten auf Korsika ein und verwüsteten weite Landstriche. Zur Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr. gehörte die Insel zum Byzantinischen Reich und wurde vom Oströmischen Kaiser verwaltet. Im Jahr 713 kreuzten erstmalig Mauren vor der Küste Korsikas auf. Im Jahr 774 eroberte Karl der Große nach seinem Sieg über die Langobarden die Insel, die zu diesem Zeitpunkt Teil des Frankenreiches wurde. Die Vorherrschaft der Franken war nur von kurzer Dauer, denn bereits im Jahr 806 fielen Mauren von der Iberischen Halbinsel und Sarazenen aus Afrika auf Korsika ein und besetzten weite Küstenabschnitte. Mehr als 200 Jahre dauerte die Schreckensherrschaft und erst im 11. Jahrhundert konnten die Besatzer vertrieben werden.

 

Pisaner und Genuesen

Der Sieg über die Mauren fiel in eine Zeit, in der die italienischen Seerepubliken erstarkten und im gesamten Mittelmeerraum Handelsniederlassungen gründeten. Papst Gregor VII. überstellte die Verwaltung Korsikas im Jahr 1077 an den Bischof von Pisa. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden unter der Vorherrschaft Pisas zahlreiche romanische Kirchen und Kathedralen. Die erstarkte Seerepublik Genua erhob im Jahr 1133 Anspruch auf weite Teile Korsikas und der amtierende Papst teilte die Bistümer auf der Insel zwischen Pisa und Genua auf. Das friedliche Nebeneinander der beiden Seerepubliken endete im Jahr 1284, als Pisa in der Seeschlacht von Meloria vernichtend geschlagen wurde und die Insel räumte. Fortan herrschten die Genuesen für 500 Jahre auf Korsika. Trotz mehrfacher Aufstände der Korsen gegen die Fremdherrschaft dauerte die Besatzungszeit bis zum Jahr 1768 an.

 

Der Kampf um die Unabhängigkeit

Der korsische Unabhängigkeitskampf im 18. Jahrhundert war ein Meilenstein in der Geschichte Korsikas und ist tief im kollektiven Gedächtnis der Inselbewohner verankert. Damals wurde der Grundstein für den Freiheitswillen der Korsen gelegt, der bis heute ungebrochen ist. Einer Hungersnot im Jahr 1729 folgten mehrere Aufstände gegen die Genuesen, bis im Jahr 1735 in der Ortschaft Orezza die Unabhängigkeit Korsikas ausgerufen wurde. Der deutsche Adlige Theodor von Neuhoff unterstützte die Aufständischen mit Nahrungsmitteln, Waffen und Geld. Als Gegenleistung wurde er zum korsischen König gekrönt. Das Amt bekleidete er jedoch nur neun Monate lang, bis die finanziellen Mittel erschöpft waren. Eine entscheidende Rolle im Widerstand spielte der korsische Freiheitskämpfer Pasquale Paoli, der im Jahr 1755 eine demokratische Verfassung einführte. Genua verkaufte im Jahr 1768 die Rechte an Korsika an Frankreich und zog sich damit endgültig von der Insel zurück.

 

Korsika unter französischer Herrschaft

Die Korsen wollten sich nicht einer neuen Fremdmacht beugen und stellten sich den Franzosen im Jahr 1769 in der Schlacht bei Ponte Nuovu entgegen. Gegen die militärische Übermacht vom Festland hatten die Insulaner keine Chance. Frankreich marschierte auf Korsika ein und Paquale Paoli floh ins Exil. Im gleichen Jahr wurde in der heutigen Inselhauptstadt Napoleon Bonaparte geboren. Im Jahr 1888 wurde die erste Strecke der korsischen Eisenbahn eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde Korsika von im Jahr 1942 den verbündeten Truppen Deutschlands und Italiens besetzt. Nach dem Krieg halfen amerikanische Armee-Einheiten beim Ausrotten der Malariamücke, die seit Jahrhunderten immer wieder für den Ausbruch von Epidemien auf Korsika gesorgt hatte. Im Jahr 2015 errangen erstmals in der jüngeren Geschichte Korsikas die Separatisten eine Sitzmehrheit im korsischen Regionalparlament.

 

Politik bis zur Jahrtausendwende

Korsika Politik

Auf Korsika gibt es seit Jahrzehnten eine starke Bewegung, die für die Unabhängigkeit von Frankreich kämpft. Die Separatisten wurden im Jahr 2015 bei den Regionalwahlen erstmalig zur stärksten Kraft im Regionalparlament. Im 20. Jahrhundert siedelten zahlreiche Franzosen vom Festland auf die Insel Korsika über. Insbesondere nach dem Algerien-Krieg wurden geflohene Franzosen gezielt von der französischen Zentralregierung auf der Insel angesiedelt, was von den Korsen zunehmend kritisch gesehen wurde. Zeitgleich arbeitete man von Paris aus gezielt an der Zerstörung der Identität der Insulaner, indem unter anderem die korsische Sprache konsequent aus dem Alltag verbannt wurde. Diese Maßnahmen verstärkten die Unabhängigkeitsbestrebungen und brachten im Jahr 1976 die Korsische Nationale Befreiungsfront (FLNC) hervor, die durch Bombenanschläge und andere Gewalttaten der Regierung in Paris die Zustimmung zur Unabhängigkeit abringen wollte. Im Jahr 2000 gestand Frankreich den Korsen einen größeren Autonomiestatus unter der Voraussetzung zu, dass die Gewalt beendet wird.

Politik in der Gegenwart

Im Jahr 2015 fanden auf Korsika Regionalwahlen statt, bei denen die Separatisten unter Führung des ehemaligen Bürgermeisters von Bastia Gilles Simeoni zur stärksten politischen Kraft aufstiegen. Sie vereinten 35 Prozent aller Wählerstimmen auf sich und halten seither 24 Sitze im Regionalparlament. Gleichzeitig wurde Gilles Simeoni zum Anführer der Regionalregierung und damit zum obersten Interessenvertreter der Korsen gegenüber der Zentralregierung in Paris. Der Wahlsieg der Separatisten wurde in vielen Städten Korsika gefeiert und überall auf der Insel wurde die Flagge Korsikas mit dem Mohrenkopf gehisst. Der Wahlsieg ist vor allem auf die deutliche Kampfansage Simeonis zurückzuführen, sich den Interessen von Paris künftig nicht mehr unterwerfen zu wollen.

Forderungen der Regionalregierung

Nach dem Wahlsieg der Separatisten im Jahr 2015 wurde der französischen Regierung ein Forderungskatalog vorgelegt. Zentraler Punkt ist eine Verfassungsänderung, nach der der Autonomiestatus Korsikas ausgedehnt und eine eigene Gesetzgebung möglich gemacht wird. Der Plan sieht unter anderem vor, bis zu Beginn des Jahres 2018 die Départements Haute-Corse und Corse-du-Sud abzuschaffen. Weitere Punkte sind die Förderung der korsischen Landwirtschaft, des Fischfangs und des Ökotourismus. Darüber hinaus soll die Befreiung von der Erbschaftssteuer für alle Korsen verlängert und die Förderung der korsischen Sprache finanziell stärker von Paris unterstützt werden.