Die Korsen – die Einwohner

Korsen

Als Korsen werden die Einwohner der französischen Mittelmeerinsel bezeichnet. Rund 320.000 Menschen leben auf Korsika, wobei nur rund die Hälfte ihre Wurzeln auf der Insel haben.

 

Bevölkerungsstruktur auf der Insel

Korsika gehört im Verlauf seiner Geschichte wechselnden Herrschaftsbereichen an und jede fremde Macht hinterließ ihren Einfluss auf der Insel. Korsika zählt rund 330.000 Einwohner, von denen etwa die Hälfte korsische Wurzeln besitzt. Festlandsfranzosen und algerischstämmige Einwohner machen einen Anteil von etwa 35 Prozent aus. Der Rest sind Saisonarbeiter aus Italien und Nordafrika sowie Rentner und Pensionäre vom europäischen Festland, die im milden mediterranen Klima ihren Altersruhestand genießen. Rund ein Drittel aller Korsen lebt in den beiden größten Städten Bastia und Ajaccio. Im gebirgigen Zentrum der Insel liegen nur einige wenige Bergdörfer.

Wissenswert: Mit 37 Einwohnern pro Quadratmeter gehört Korsika zu den am dünnsten besiedelten Regionen Frankreichs.

Klischees und Wirklichkeit

Zahlreiche Klischees ranken sich um die Korsen. Stolz und große Freiheitsliebe wird den Einwohnern ebenso nachgesagt wie leichte Reizbarkeit und ein Hang zur Unpünktlichkeit. Die mediterrane Gelassenheit, die den Korsen zu eigen ist, wird von Außenstehenden nicht selten als Faulheit interpretiert. Dass es sich dabei um ein Klischee handelt, zeigt sich in der Tatsache, dass das Leben im Mittelmeerraum anderen Gesetzen folgt, als im kühlen Mitteleuropa. Die Siesta ist bei den Spaniern, den Portugiesen, den Italienern, den Griechen und den Korsen ein elementarer Bestandteil der Kultur und auf die Einhaltung der Mittagsruhe wird peinlich genau geachtet. Ältere Korsen mit schwarzen Haaren und dunkler, von der Sonne gegerbter Haut, sitzen oft im Schatten alter Platanen im Café und spielen Karten. Fremden begegnen die Insulaner mit Gastfreundschaft und Offenheit.

 

Korsisch: Anerkannte Regionalsprache

Korsisch ist eine Sprache, die aufgrund der Historie eng mit dem in der Toskana gesprochenen Italienisch verwandt ist. Die Regionalsprache ist Teil der Identität der Einwohner mit ihrer Insel, obwohl sie im Alltag weitestgehend durch die Amtssprache Französisch abgelöst wurde.

Wissenswert: Korsisch ist als eigenständige Regionalsprache in Frankreich anerkannt und wird von rund 100.000 Einwohnern gesprochen.

Die Sprache besitzt viele Ähnlichkeiten zum Italienischen, was sich unter anderem in den Familiennamen vieler Korsen äußert. Bernadi und Santini sind weiter verbreitet als französische Nachnamen wie Martineaud oder Dupont. Darüber hinaus sind die meisten Ortsschilder und Wegweiser zweisprachig in Französisch und Korsisch beschriftet. Die Bevölkerung Korsikas leidet an einer zunehmenden Überalterung, da junge Leute die Insel aus Mangel an Arbeitsplätzen häufig verlassen und sich auf dem französischen Festland oder in Italien eine Existenz aufbauen.

Auf die Anerkennung des Korsischen als Regionalsprache mussten die Einwohner der Mittelmeerinsel lange warten, da die Zentralregierung Frankreichs die regionalen Ausprägungen lange zu unterdrücken versuchte.

Wissenswert: Erst im Jahr 1972 wurde korsisch offiziell als Regionalsprache anerkannt.

Die Entscheidung hat zur Konsequenz, dass in den Schulen korsisch unterrichtet werden kann. Offizielles Unterrichtsfach ist korsisch seit 1981 an der Universität von Corti. Darüber hinaus können Studenten einen Bachelor- oder Masterstudiengang in korsischer Kultur und Sprache belegen. Im öffentlichen Raum steht es den Behörden frei, korsisch als Verwaltungssprache zu verwenden.

 

KorsischRegionale Unterschiede in der korsischen Sprache

Die korsische Sprache gliedert sich in zahlreiche regionale Dialekte, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden. Zahlreiche Ähnlichkeiten zur italienischen Sprache haben ihren Ursprung in der jahrhundertelangen Vorherrschaft der Seerepubliken Pisa und Genua auf der Mittelmeerinsel. Im Alltag mischen sich viele französische Satzbausteine in das Korsische. Eng verwandt mit dem toskanischen Italienisch ist der Dialekt im Norden Korsikas. Im südlichen Teil der Insel wird ein Dialekt gesprochen, der Ähnlichkeiten mit dem auf Sizilien gesprochenen Italienisch aufweist. Der gleiche Dialekt ist auch auf der Nachbarinsel Sardinien stark ausgeprägt. Daneben sind Einflüsse des ligurischen Italienisch in Städten wie Bonifacio und Calvi unverkennbar.

 

Korsisch im Alltag

Wissenswert: Obwohl Französisch die offizielle Amtssprache auf Korsika ist, ist Korsisch im Alltag der Inselbewohner fest verankert.

Wegweiser an den Straßen und Ortsschilder sind nahezu vollständig zweisprachig beschriftet. Einen Hinweis auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Insel liefern die übermalten französischen Schriftzüge auf vielen Ortsschildern. In den Restaurants und in den Behörden stehen Speisekarten bzw. Infoblätter in der Regel in einer französischen und einer korsischen Version zur Verfügung. Rund 100.000 Menschen auf der Insel sprechen bis heute fließend korsisch. Allerdings ist die Anzahl rückläufig, da im Alltag die französische Sprache dominiert. Im Gegensatz zu anderen französischen Regionalsprachen wie Bretonisch oder Elsässisch sprechen allerdings viele junge Leute korsisch und versuchen auf diese Weise das kulturelle Erbe der Mittelmeerinsel zu bewahren.